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Donnerstag - 24.05.2007 - 15:34Uhr
Campus Life
Wie entsteht ein Uni-Ranking? Zu Besuch in der Focus-Redaktion
Marc Langner kickt ungeduldig einen Fußball aus dem Weg. In ein paar Stunden ist Redaktionsschluss, und es fehlt immer noch die Auskunft einer Uni über ihre Studienschwerpunkte. Seit Monaten kennt der Focus-Redakteur keine acht Stunden Tage mehr, denn bereits im Dezember begannen die Recherchen für das neue Focus Hochschulranking 2007.
Gerade einmal fünf Mitarbeiter versammeln sich in dem kleinen Büro in der Focus-Redaktion in München. Sie werten Daten aus, verfassen Anschreiben, und telefonieren, telefonieren, telefonieren... Das Ergebnis ist seit dem 7. Mai in einer sechsteiligen Focus-Serie zu lesen. München bleibt Spitzenuni, steht da etwa, und auch in fächerspezifischen Auswertungen rangieren die süddeutschen Unis ganz oben.

Doch wie kommt es zu diesem "Score", dieser Punktzahl, die einem da aus einer vorgefertigten Tabelle entgegenblitzt? Was steckt dahinter – hinter "Forschungskriterien", "Reputationsumfragen" und einem Platz in den unteren Schubladen? Und was sollen bzw. können wir Studenten jetzt damit anfangen? campustv.de fragt nach.



Ein Wettlauf unter den Rennern
20 Fächer wurden von Focus unter die Lupe genommen, die laut dem Statistischen Bundesamt zu den gefragtesten bei deutschen Studenten zählen. Jura, Biologie, Maschinenbau... In jedem Bereich wurde die Untersuchung in Forschung und Lehre unterteilt, daraus dann ein Gesamtscore berechnet. "Die Kriterien unterscheiden sich natürlich von Fach zu Fach", meint Langner. "In einem Ingenieursstudiengang macht es beispielsweise Sinn, viele Patentanmeldungen als Zeichen für gute Forschung zu werten." In einem Fach wie Anglistik nicht. Also klügelte man Einflussfaktoren wie die Drittmittelrelation aus, die durchschnittliche Studiendauer, die Promotionsquote. Auch wie viele Studenten auf einen Wissenschaftler zur Betreuung anfallen, spielte eine Rolle. Der sogenannte "Zitationsindex" zeigt an, wie oft Aufsätze einer Universität in der internationalen Fachliteratur zitiert werden. Dazu besitzt das Institut "Thomson Scientific" in Philadelphia eine riesige Literaturdatenbank, aus der 40 000 Datensätze von den Redakteuren einzelnen Unis zugeordnet werden mussten. Wegen seiner großen Bedeutung floss der Index als international anerkanntes Kriterium gleich doppelt in die Gewichtung ein.

"Hallo, hier ist der Focus, wir planen da so eine Geschichte..."
Neben all den gelieferten Daten setzte das Team auf Eigenrecherche: Tag für Tag hing man an der Strippe, am anderen Ende der Leitung einerseits Dekane und bedeutende Wissenschaftler, andererseits Personalchefs von großen Unternehmen. "Wir ruften an, stellen uns mit unserem Anliegen vor, und lassen uns jede Uni bewerten." Das Umfrage-Ressort des Focus kann dabei auf jahrelange Erfahrung zurückblicken. Langner selbst fing einst als studierter Jurist bei der Anwaltsliste des Focus an. "Da sieht man mal, was für Wege es geben kann", schmunzelt er. "Meine Uni lag übrigens laut Statistik im Mittelfeld..."

Schwierigkeiten bei der Recherche fanden sich oft im Detail: "Für persönliche Anschreiben mussten wir sämtliche aktuellen Adressen herausfinden. Da steht dann zum Beispiel auf einer schlecht gepflegten Internetseite "Professor M. Maier". Ist das Herr oder Frau Maier. Wir müssen die Person ja anreden!" Auch unerwartete Überraschungen gab es: "Man nimmt doch an, dass Wissenschaftler mit dem Internet vertraut sind." erzählt Langner. "Tatsächlich kriegten wir verzweifelte Anrufe von Professoren , die nicht wussten, wo man im Internet die Adresse unserer Website eingibt!"

Klingelalarm
Waren solche Hürden überwunden, folgte meist eine lange Geduldsprobe. "Wir müssen bis heute nachhaken, jeder Uni eine zweite und eine dritte Chance geben, damit sie auch alle vertreten sind." 99% der Unis zeigten sich am Ende kooperativ, immerhin sind Rankings nicht selten Teil des Hochschulmarketings. "Viele Unis rufen hinterher an, und wollen genau wissen, auf welchem Rang im Mittelfeld sie gelandet sind, denn da führen wir im Heft keine Platzierungen mehr auf. Die, die gut sind, finden natürlich alles klasse. Einige wenige Professoren von Unis, die nicht so gut abschneiden, rufen an und schimpfen." So kann es schon mal vorkommen, dass aufgrund eines Fehlers in der Bildunterschrift das ganze Ranking in Frage gestellt wird. Auch Studenten beschweren sich, wenn sie der Ansicht sind, dass die Uni ihrer Wahl nicht wirklich so schlecht abschneiden könne.

Doch am stressigsten ist für Langner der Endspurt, die Phase vor dem ersten Heft, in dem das Gesamtranking deutscher Unis aufgeführt wird. "Der beste Moment ist, wenn ich das fertige Exemplar endlich in der Hand halte!"

Und was kommt nach Teil sechs?
Laut Langner verändert sich die Hochschullandschaft so kontinuierlich, dass eine jährliche Ausgabe sinnvoll scheint. Rankings forever? "Vor ein paar Jahren lag das Thema auf der Straße", meint Langner, "Beim Ranking 1997 ging ein Aufschrei durchs Land. Doch das hat sich gelegt. Ich denke, der Trend geht eher zum komplexen Hochschulführer als zum reinen Ranking."
Zunächst einmal fokusiert Langner seinen verdienten Vietnam-Urlaub an...
(as)

Lese auch unser Interview zum Ranking
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Link: mehr zum Focus-Ranking
Link: das Ranking des CHE
Link: campustv.de über das Ranking der Zeitschrift "Karriere"
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