Marc Langner, zuständiger Redakteur für das Focus-Hochschulranking im Gespräch mit campustv.de
campustv.de: Herr Langner, es stürzt eine wahre Flut an Uni-Rankings auf Studieninteressierte ein. Was unterscheidet ihrer Meinung nach das Focus-Ranking von anderen Rankings?
Langner: Rankings wie vom Handelsblatt oder der Wirtschaftswoche beleuchten das Ganze aus einem engeren Blickwinkel. Beispielsweise legen sie ihr Augenmerk nur auf die Publikationen einer Uni. Die Umfragen des CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) sind uns noch am ähnlichsten, die beurteilen aber nur eine Hand voll Fächer pro Jahr, und sie gehen nicht näher auf die einzelnen Schwerpunkte der Unis ein.
campustv.de: Allerdings macht das CHE eine Studentenumfrage. Warum hat der Focus ganz darauf verzichtet?
Langner: Wir mussten uns die Frage stellen, ob ein Student die Qualität seines Fachbereichs überhaupt einschätzen kann. Das heißt, kann er seine eigene Uni im Vergleich zu anderen bewerten? Ich habe mir mal solche einschlägigen Internetseiten angeschaut. Die einen Studenten loben ihre Uni in den Himmel, die anderen zerreißen sie in der Luft. Das Bild bei den Personalern und Wissenschaftlern dagegen ging in eine eindeutige Richtung. Mitglieder von Hochschulverbänden haben einfach einen besseren Überblick. Außerdem haben wir im Internet von den Professoren Appelle gesehen, in denen die Studenten zu wohlwollenden Urteilen aufgefordert werden.
campustv.de: Aber Sie haben die Fachbereiche ja von Dekanen anderer Unis bewerten lassen. Besteht dann nicht die Gefahr, dass sie diese schlechter darstellen, um die eigene besser abschneiden zu lassen?
Langner: Nein. Wir haben detailliert gefragt, warum eine Uni empfohlen wird. Da kamen dann schon differenzierte Antworten heraus.
campustv.de: Und die Personalchefs, können die überhaupt die aktuelle Situation an einer Uni bewerten?
Langner: Wir haben nur große Unternehmen ab 100 Mitarbeitern befragt, die regelmäßig Absolventen einstellen und deshalb auf dem Laufenden sind.
campustv.de: Sie sagen, das Bild ging auf diesem Weg sehr eindeutig in eine Richtung, ist es denn überhaupt repräsentativ?
Langner: Die Masse machts. Wir haben über 3000 Personaler befragt, 1000 Dekane und 2500
Wissenschaftler. Dabei ergaben sich 22 000 Empfehlungen.
campustv.de: Im ersten Teil des Rankings war zu lesen, worauf Personalchefs bei Einstellungen besonderen Wert legen. Die Hochschule war als Einflussfaktor nicht aufgeführt.
Langner: Natürlich liegt der Erfolg bei jedem persönlich. Kein Personalchef wird jemanden einstellen, von dem er nicht überzeugt ist, selbst wenn der Bewerber von der TU München kommt!
campustv.de: Dem Focus war auch zu entnehmen, dass das Ranking besonders kleineren, unbekannten Unis zu Gute kommt. Die Spitzenplätze belegen aber nach wie vor die großen.
Langner: Das Ranking gibt den Unis auch die Möglichkeit, sich als spezialisierte Uni darzusstellen, sich durch Besonderheiten von anderen Hochschulen abzusetzen. Will ich zum Beispiel Meeresbiologie studieren, ist es mir nicht so wichtig, ob eine Uni in Biologie gut abschneidet.
campustv.de: Kritiker sehen häufig die Gefahr der "Selbstzementierung", das heißt, dass Top-Fachbereiche durch ihren guten Ruf auch in Zukunft an der Spitze bleiben, und als „Vorzeige-Institutionen“ vielleicht sogar mehr gefördert werden als andere.
Langner: Wenn überhaupt, besteht die Gefahr nur bei der Reputation, nicht bei den statistischen Daten. Wissenschaftler haben einen guten Einblick in die Hochschullandschaft und können durchaus unterscheiden, ob das Angebot einer Uni gut ist.
Rankings sind immer ein gutes Argument, wenn es um Förderung geht. Top- Unis können gegenüber Geldgebern ins Feld führen, dass sie im Ranking oben stehen und deswegen einen Förderung verdienen. Genau so gut kann eine Uni, da sie sich in Schlussgruppe befindet, argumentieren, es bestehe ein dringender Nachholbedarf. Wie groß der Einfluss von Rankings dabei tatsächlich ist, können wir gar nicht einsehen.
campustv.de: Würden Sie einem Abiturienten empfehlen, seine Entscheidung von Rankings abhängig zu machen?
Langner: Unser Ranking ist eine Hilfestellung bei der Wahl der Universität. Abiturenten können erkennen, wo sie gute Lehr- und Forschungsbedingungen vorfinden, und welche Universität Schwerpunkte anbietet, die den eigenen Neigungen entsprechen. Dafür ist das Ranking ein guter Wegweiser. Sicherlich gibt es aber auch persönliche Faktoren, die vor allem das Umfeld einer Uni betreffen: Kann ich mir ein Studium beispielsweise in München überhaupt leisten? Will ich eine persönlichere Atmosphäre als sie an den großen Unis herrscht? Wenn mir neben dem Studium das kulturelle Leben wichtig ist, bin ich in Berlin wahrscheinlich besser aufgehoben, als in einer Kleinstadt. Diese persönlichen Entscheidungen können und wollen wir den Lesern nicht abnehmen.
Das Interview führte Anna-Kathrin Schneider
Lese auch: Highscores für Hochschulen