Das große campustv.de Exclusiv-Interview - Teil 1
"Eineinhalb Stunden mit einer Tüte Popcorn und einer Flasche Bier"
Regisseur Mike Marzuk über seinen neuen Film "Weisst was geil wär…?"
ctv: Mike, wie würdest du die 97 Minuten auf den Punkt bringen?
Mike: Kurz, WWGW ist ein Low-Budget Film über zwei Typen, die einen Big-Budget Film machen wollen, und das mit null Budget – und null Peil. Er beginnt damit, dass zwei Möchtegerns auf der Couch vorm Fernseher rumgammeln und sagen: „So’n Scheiß, made in Germany, das is doch immer das Selbe!“ Wird sich herausstellen, ob sie es besser können.
ctv: War deine Motivation, den Film zu machen, etwa die gleiche?
Mike: Naja, im Freundeskreis lästern wir schon mal gern über das kreative Schaffen anderer Leute. So von wegen: Pulp Fiction ist gut, aber alles mit dem und dem Schauspieler ist grundsätzlich schlecht. Man neigt schnell dazu, zu sagen „Das könnte ich besser!“ Aber letztlich kriegt man seinen Arsch doch selber nicht hoch. Mit dieser Erkenntnis saßen ein Freund und ich beim Filmschneiden zusammen, und plötzlich sagten wir: Hey, lass uns nen Film machen über zwei, die genau so blöd daher labern wie wir!
ctv: Es wird ziemlich viel „gelabert“ in dem Film, wenig Handlung. Wie denkst du wird das bei Kritikern und dem Publikum ankommen?
Mike: Dass in dem Film nix passiert, das ist die Grundidee. Die zwei kriegen einfach nix auf die Reihe. Ich fand das lustig. Ich habe mir nicht gesagt: So, jetzt erzählen wir mal einen Witz, und dann geben wir dem Zuschauer Zeit, darüber zu lachen. Die reden einfach nur vor sich hin, und das allein ist so absurd-komisch. Es soll ein Feel-good Film sein, für eineinhalb Stunden mit einer Tüte Popcorn und einer Flasche Bier, nicht mehr und nicht weniger. Die Leute sollen sich amüsieren, und sich hinterher nicht verarscht vorkommen. Es wird immer welche geben, die den Film beschissen finden. Ganz schön haarsträubend, was man manchmal zu lesen bekommt. Dann denke ich mir, okay, wenn der mich so böse kritisiert, hat er den Film vielleicht gar nicht verstanden, denn genau darüber macht er sich ja lustig! Wenn man sich erstmal auf den Film einlässt, kann man womöglich viele eigene Erfahrungen darin wieder finden. Kleine, süße Alltäglichkeiten, die sich so ansammeln.
Bei den Dreharbeiten
ctv: Erzählst du denn aus deinem eigenen Leben?
Mike: Nun, ich war auch mal Student, naja, zumindest eingeschrieben... (grinst) Ich erinnere mich gut an die Phase nach der Schule, man glaubt, das Leben beginnt, der Erfolg wird kommen, und er stünde einem in gewissem Maße sogar zu. Es geht einem gut: Miete bezahlen die Eltern, ich kann mir jederzeit `ne Pizza bestellen, warum also was ändern? Bis man merkt, dass das Glück nicht von selbst an der Tür klingelt. Ich hab Leute immer bewundert, die die Veranlagung haben, ihr Studium von Anfang an durchzuziehen. Ich hab meinen Arsch erst nach Jahren hoch bekommen. Du merkst einfach, andernfalls geht es den Bach runter. Hab eine Hotelausbildung gemacht, um irgendwas in der Hand zu haben. Aber eigentlich stand für mich an erster Stelle immer das Musikmachen. Als ich mit drei CDs immer noch kein Geld verdient hatte, suchte ich mir was Artverwandtes, und machte ein Praktikum als Cutter bei einer Filmproduktion! In der Filmbranche trifft man auf viele Abbrecher und Quereinsteiger. Vielleicht ist das so eine Eigenart von Leuten, die kreativ arbeiten. Die brauchen ein bisschen Unruhe und Chaos.
ctv: Apropos, verliefen die Dreharbeiten zu WWGW auch chaotisch? Ihr hattet immerhin nur ein Budget von 100.000 Euro.
Mike: Einen Low-Budget-Film zu machen ist, finde ich, fast einfacher! Natürlich ist es schwierig, das Equipment zu bekommen, und die Leute zu motivieren, ohne Geld zu arbeiten. Hat man das aber erstmal geschafft, kann man sicher sein, dass sich alle auch wirklich dazu entschlossen haben, und das bringt einen großen Zusammenhalt ins Team. Zudem hatten wir keinen Druck von außen - wenn der Dreh nichts kostet, ist es auch egal, wie lange du dir dafür Zeit lässt. Das alles hat dem Film sehr gut getan, und ich denke, das sieht man.
ctv: Stimmt es, dass die Darsteller sogar bei dir gewohnt haben?
Mike: Ja, sie haben sich in ihrer Mietwohnung nicht wohl gefühlt. Wir haben auch bei mir zu Hause gedreht! Bei 30 Leuten am Set war das immer ein riesiger Saustall. Mein Wohnzimmer wurde das Schlafzimmer von Lisas Ex-Freund, fünf Szenen später dann das Esszimmer von Tommy's Exfreundin. Dazwischen sind die Schauspieler einmal um den Block gefahren, das hat den Heimweg von einer Party simuliert. Ursprünglich spielte die Esszimmer-Szene in einem Restaurant, aber dafür hatten wir kein Geld. Also hab ich das Drehbuch immer wieder umgeschrieben und den Drehbedingungen angepasst. Erst eine Woche vor Drehbeginn fanden wir die Wohnung für die Film-WG, die war noch original aus den 60ern eingerichtet. Wir haben größtenteils alles so gelassen und behauptet, die Oma von Heinz sei die eigentliche Wohnungsbesitzerin.
ctv: Hast du denn selbst auch mal in WGs gewohnt?
Mike: Während der Studienzeit wohnte ich immer in JungsWGs. Seit fünf Jahren wohne ich jetzt mit meiner Freundin zusammen, das ist ziemlich locker, also, wir kaufen uns noch keine gemeinsame Waschmaschine! (grinst) Vielleicht war das früher immer so eine Wunschvorstellung, mal mit einem Mädel zusammen zu wohnen, und daher die Idee mit Lisa.
ctv: Hättest du dir also so ein Mitbewohnerinnen-Casting gewünscht, wie es die Jungs im Film machen?
Mike: Oh Gott. Das sollte diesen Casting-Wahn eher verarschen! Ich fand es auch als Regisseur ganz schlimm, in den Castings zu sitzen, und die Schauspieler müssen sich vor einem regelrecht entblößen! Gut, den Job haben die sich ausgesucht, aber ich bin immer so peinlich berührt, will sie nicht in Verlegenheit bringen. Im Film haben die Jungs eine Fantasie, `nen Pornofilm zu machen. Deshalb hatte eine Schauspielerin im Casting ihre Bluse aufgeknöpft. Ich kriegte es einfach nicht geregelt, zu sagen: Nee, du musst dich jetzt schon ganz freimachen. Das ist schon was Anderes, als jemandem zu sagen: Huste mal bitte! Es ist auch schon vorgekommen, dass Schauspieler bei Dreharbeiten gesagt haben, während der Bettszene wollen sie diesen oder jenen nicht im Raum haben. Aber ich würde ja am liebsten selber rausgehen!
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